Leben in Gemeinschaft

Eine weltoffene Föderation spiritueller Gemeinschaften

Die Verfassung von Damanhur

Gemeinsame Tradition, Kultur, Geschichte und Ethik

Damanhur gründet sich auf Vielfalt, Veränderung und Aktion. Diese Prinzipien können auf alle Aspekte der Gemeinschaft angewendet werden. Die soziale Struktur und das politische System wurden über die Jahre mehrmals verändert, von den ersten Gemeinschaften bis zur gegenwärtigen Föderation der Gemeinschaften. Das damanhurianische Modell zur Entscheidungsfindung hat sich ständig weiterentwickelt und ein effizientes, demokratisches System mit Repräsentanten und gewählten Organen geschaffen, das auf der Mitwirkung aller Bürger über öffentliche Debatten basiert. Änderungen der Regeln und Vorschriften werden im Einklang mit der Verfassung ratifiziert, Diese wurde mehrere Male aktualisiert und derzeit ist die letzte Version von 2007 rechtskräftig. Wir teilen unsere Verfassung mit Euch und laden dazu ein, sie als Ausgangsbasis zu nutzen, um ein eigenes Modell zu schaffen, das für euer Gemeinschaftsleben stimmig ist.
 
Die Verfassung von Damanhur
Damanhur ist eine Philosophische Schule, gegründet von Oberto Airaudi und inspiriert von seinen Lehren. Die Struktur Damanhurs drückt sich in 4 Körpern aus: Meditation (Tradition und rituelles Wissen); Spiel des Lebens (Experimentieren und dynamische Aspekte), „Tecnarcalato“(kontinuierliche innere Transformation) und Soziales (die soziale Verwirklichung des Wissens).
Die Ziele Damanhurs sind: Freiheit und das Wiedererwachen des Menschen als göttliches, spirituelles und materielles Prinzip; die Schaffung eines sich selbst erhaltenden Lebensmodells, das auf den ethischen Prinzipien eines guten Zusammenlebens und der Liebe basiert; die harmonische Integration und Zusammenarbeit mit allen Kräften, die mit der Evolution der Menschheit verbunden sind.
Die Verfassung ist das Fundament, das den Sozialen Körper regelt, der von den Bürgern von Damanhur gebildet wird. Der damanhurianische Bürger widmet sein Leben der Anwendung der in der Verfassung aufgezeigten Prinzipien und Ziele und verpflichtet sich, sie mit allen Normen zu respektieren und zu beachten. Zur Erlangung der Bürgerschaft gibt es verschiedene Modalitäten, die den getroffenen Entscheidungen und dem Einsatz des Individuums entsprechen. Die Gemeinschaften stellen die Idealform der Verbundenheit und des Zusammenlebens dar. Sie sind von den Prinzipien der Solidarität und des gemeinsamen Teilens inspiriert. Die Gemeinschaften organisieren sich zusammen als Föderation. Der Föderation können auch Gemeinschaften beitreten, die Angehörige von anderen unabhängigen philosophischen Schulen sind, sofern sie von denselben Zielen animiert sind.
Durch die Schaffung einer gemeinsamen Tradition, Kultur, Geschichte und Ethik, entsteht das Spirituelle Volk.

  1. Die Bürger sind untereinander Brüder und Schwestern, die sich gegenseitig mittels Vertrauen, Respekt, Klarheit, Akzeptanz, Solidarität und kontinuierlicher innerer Transformation helfen. Jeder verpflichtet sich, den anderen immer die Möglichkeit zu geben, über sich selbst hinauszuwachsen.

  2. Jeder Bürger verpflichtet sich, positive und harmonische Gedanken zu verbreiten, jede Aktion und jeden Gedanken auf das spirituelle Wachstum auszurichten und die Ideale vor persönliche Interessen zu stellen. Jeder trägt soziale und spirituelle Verantwortung für die eigenen Taten und Aktionen, wohl wissend, dass diese sich über die synchronischen Linien verstärken und in aller Welt reflektiert werden.

  3. Durch das Gemeinschaftsleben wird die Heranbildung von Individuen angestrebt, deren gegenseitige Beziehungen von Erkenntnis und Bewusstsein bestimmt sind. Fundamentale Lebensregeln sind der gesunde Menschenverstand, gut über die anderen zu denken, Freundlichkeit, Sinn für Humor, Optimismus und das Annehmen und Wertschätzen von Verschiedenartigkeit. Von jedem Bürger wird die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, Reinheit im Denken und Handeln und reifer Entscheidungsfindung erwartet. Diejenigen Bürger, die sich auf eine anerkannte Liebesbeziehung einlassen wollen, machen ihren Mitbürgern diese Absicht öffentlich bekannt.

  4. Arbeit hat einen spirituellen Wert und wird als ein „sich selbst dem anderen geben“ verstanden. Durch sie nimmt jeder teil an den spirituellen und materiellen Aktivitäten des Spirituellen Volks. Jeder Bürger stellt einen Teil der eigenen Zeit für Tätigkeiten von gemeinschaftlichem Interesse zur Verfügung, besonders für den Freiwilligendienst und die Terrazzatura (selbstlose Arbeit innerhalb Damanhurs). Jede Tätigkeit ist gleichermaßen wertvoll und würdevoll.

  5. Damanhur fördert die Forschung, unterstützt und ermutigt Experimente und Erneuerung in allen Wissensbereichen, solange sich alles in einer harmonischen Form ausdrückt. Bürger verbessern kontinuierlich ihre Bildung, sie erweitern und vertiefen ihre Kenntnisse in den Bereichen Forschung, Kunst, Arbeit und Freizeitaktivitäten.

  6. Spiritualität, Forschung und Ökologie inspirieren jede Beziehung mit der Umgebung, auch durch die Anwendung geeigneter Technologien. Jeder Bürger lebt in Verbundenheit mit der Natur und den feinstofflichen Kräften, die sie bewohnen. Jeder verpflichtet sich, die Ressourcen zu respektieren und alle Formen der Verschmutzung und Vergeudung soweit irgend möglich zu vermeiden. Die Bürger führen einen gesunden Lebensstil, der die harmonische Entwicklung von Körper, Geist und Seele unterstützt. Sie respektieren den eigenen Körper, sorgen für ihn, ernähren ihn harmonisch und meiden den Missbrauch jeglicher Substanzen. Sie sorgen für Ordnung und Sauberkeit in ihrer Umgebung.

  7. Das Spirituelle Volk ist ein einziger Körper, der aus der organischen Summe aller einzelnen Individualitäten besteht und sich in kontinuierlicher Weiterentwicklung befindet. Es besitzt und synthetisiert alle Erfahrungen, Gedanken, und Gefühle, die in ihm ausgedrückt werden und schafft daraus ein gemeinsames kulturelles, ethisches und spirituelles Erbe.

  8. Jeder damanhurianische Bürger ist verantwortlich für den eigenen ökonomischen Unterhalt und unterstützt mit seinen Ressourcen und seiner Arbeit die Föderation der Gemeinschaften, im Einklang mit dem Prinzip des gegenseitigen Teilens. All diejenigen, die Damanhur verlassen, können keine ökonomischen Ansprüche an die Föderation stellen und haben kein Anrecht auf das, was sie in die Gemeinschaft eingebracht haben.

  9. Die damanhurianischen Bürger bereiten auf bestmögliche Art das spirituelle und soziale Umfeld für die Geburt und das Heranwachsen der Kinder vor. Aus diesem Grund bevorzugen sie die Programmierung der Geburten. Sie erziehen ihre Kinder zu freien und unabhängigen Individuen und geben ihnen die notwendigen Instrumente in die Hand um die individuellen Eigenschaften ausdrücken und entwickeln zu können. Die Erziehung erfolgt in Harmonie mit den gemeinsam entschiedenen pädagogischen Richtlinien. Alle in Damanhur wohnhaften Bürger nehmen an der Erziehung der Kinder, ihrer Pflege und ihrem Unterhalt teil.

  10. Wer damanhurianischer Bürger werden möchte, muss eine schriftliche und begründete Anfrage präsentieren. Wenn der Bewerber die Grundvoraussetzungen erfüllt um Bürger zu werden, wird ihm, nach abgesprochenen Bedingungen, eine Probezeit zugestanden. Von diesem Moment an, verpflichtet er sich dieser Charta und anderen sozialen Regeln. Die „Gewährung der Bürgerschaft“ kann erst dann erteilt werden, wenn der Bewerber die Kenntnis der Prinzipien und des kulturellen Erbgutes der Bevölkerung nachgewiesen hat. Die Bürgerschaft wird nichtig durch den persönlichen Wunsch sich aus Damanhur zurückzuziehen oder durch Ausschluss, wenn schwerwiegende Motive oder Fehlverhalten die Weiterführung der Beziehungen inkompatibel erscheinen lassen.

  11. Das höchste führende Organ von Damanhur ist durch die „Könige“ repräsentiert. Sie koordinieren die Körper Damanhurs und garantieren die konstante Fortsetzung der idealen Absichten und der spirituellen Ziele in jeder Manifestation des sozialen Lebens. Sie lenken die Entscheidungen und erlassen Vorschriften, Belange betreffend, die für die gesamte Bevölkerung Damanhurs von Interesse sind. Die einstimmige Stellungnahme der „Könige“ ist für jedes Individuum, jede Gruppe oder Organisation verbindlich. Sie werden periodisch, von den Angehörigen des Körpers der Meditation, nach den von diesen festgelegten Regeln, gewählt.

  12. Das Justiz-Kollegium übt die Kontrolle über die Einhaltung des Regelwerks aus. Jeder Bürger hat dessen Entscheidungen zu respektieren. Das Justiz-Kollegium kann von anderen Organen erlassene unrechtmäßige Bestimmungen außer Kraft setzen und annullieren. Es instruiert und definiert Disziplinarmaßnahmen bei Verletzungen der Verfassungsnormen. Das Justiz-Kollegium übt, in der Art und Weise und den Formen, die von den föderalen Gesetzen dafür vorgesehen sind, eine Berufungsfunktion für den Fall aus, dass von anderen Organen Disziplinarmaßnahmen erlassen wurden. Es überwacht den sozialen Werdegang und schlägt die Ausarbeitung von Normativen vor, die der kollektiven und individuellen Entwicklung entgegenkommen. Alle eventuellen Kontroversen zwischen den Bürgern und zwischen diesen und Damanhur und seinen Organen, werden unter Ausschluss jeglicher anderer Rechtsprechung der Kompetenz des Justiz-Kollegiums unterstellt, das nach dem Gleichheitsprinzip ohne Verfahrensformalitäten urteilt und dessen Urteil unanfechtbar ist. Die Mitglieder des Justiz-Kollegiums werden periodisch, von den Mitgliedern des Körpers der Meditation, gemäß den darin festgelegten Regeln, gewählt.

  13. Die Bürger organisieren sich, innerhalb der von den föderalen Gesetzen festgelegten Form, in Gemeinschaften. Jede Gemeinschaft hat ein eigenes Gebiet, eine eigene Bevölkerung und Autonomie. Jede Gemeinschaft strebt das Erreichen der vollkommenen Selbstversorgung an und seine Mitgliederzahl sollte 200/220 Personen nicht überschreiten. Die Regierung jeder einzelnen Gemeinschaft wird regelmäßig gewählt. Die einzelne Gemeinschaft kann, unter Berücksichtigung der Traditionen und der übergeordneten Interessen der Gesamtbevölkerung, Organismen einsetzen und Normen erlassen, die das bestmögliche Funktionieren der Gemeinschaft gewährleisten. Jeder Bürger Damanhurs verpflichtet sich, die Regeln der jeweiligen Gemeinschaften zu respektieren, während er sich auf deren Gebiet befindet. Die Einwohner der damanhurianischen Gemeinschaften und die, die sich in einem damanhurianischen Gebiet befinden, rauchen nicht, nehmen keinen übermäßigen Alkohol zu sich und benutzen keine Drogen.

  14. Gemeinschaften oder Gruppen, die von Prinzipien und Zielen beseelt sind, die mit denen in dieser Verfassung genannten kompatibel sind, können sich der Föderation von Damanhur angliedern. Die „Könige“ bestimmen die Bedingungen des Beitritts.

  15. Die Ausführungsvorschriften zu dieser Verfassung dürfen keine ihr widersprechenden Bestimmungen enthalten. Die Disziplin aller Angelegenheiten, die sich auf die Gesamtbevölkerung beziehen, geschieht durch Gesetze. Die Revision der in dieser Verfassung enthaltenen Normen wird von den Angehörigen des Meditationskörpers, nach den im Meditationskörper beschlossenen Regeln, verabschiedet. In allen Fällen, in denen Fragen der Interpretation zu existierenden Normen auftauchen, übernehmen die „Könige“, unter Hinzuziehung der beratenden Meinung des Justiz-Kollegiums, die Klärung, die gemäß der Prinzipien der Tradition Ausdruck findet.

    Damanhur, Dezember 2007